Ein Le(e)hrstück in Sachen Beschäftigungswunder

Der Sport- und Geländewagen-Premium-Hersteller Porsche möchte weiter expandieren. Hierzu ist auch die Einführung eines kleinen Bruders des Cayenne, des Porsche Cajun, geplant. Um die Produktion der Geländelimousine ist zwischen den Porsche-Standorten Ingolstadt, Neckarsulm und Leipzig ein heftiger Wettbewerb entbrannt, in dem nach Presseberichten Leipzig die Nase vorn haben soll. Mit dieser Entscheidung wird seitens des Leipziger Betriebsrats die Erwartung verbunden, dass damit Hunderte neuer Arbeitsplätze geschaffen würden.

In einem Beitrag des Hörfunksenders MDR-Info wurde am 14. Februar 2011 über das Leipziger Porsche-Werk berichtet. In diesem kam ein Mitarbeiter zu Wort, welcher nicht direkt bei Porsche angestellt ist, sondern über eine Zeitarbeitsfirma an Porsche verliehen wurde. Allein dieser Fakt mag aufgrund Porsches Status als Premiumhersteller aufhorchen lassen. Und schon das Regularium der Entsendung des Mitarbeiters zu Porsche weist gewisse Eigentümlichkeiten auf. So wurde er, laut seiner Aussage gegenüber der Radioreporterin, von der Zeitarbeitsfirma am Frühstückstisch angerufen und zur sofortigen Arbeitsaufnahme aufgefordert. Hierfür wurde ihm eine Frist von 45 Minuten eingeräumt, nach deren Verstreichen das Angebot keine Gültigkeit mehr hätte, da er die notwendige Flexibilität nicht hätte nachweisen können.

Zudem wurden weitere, zeitarbeitsbranchentypische, Missstände offenbart. Die direkt beim Leipziger Porschewerk angestellten Mitarbeiter erhalten eine Stundenlohn von 16 Euro. Die bei Porsche beschäftigten Leiharbeiter, welche identische Tätigkeiten verrichten, hingegen nur 12 Euro pro Stunde. Doch auch unter den Leiharbeitern herrschen große Differenzen. Die schlechtbezahltesten Lohngruppen der bei Porsche beschäftigten Leiharbeiter, beispielsweise in der Logistikabteilung, erhalten rund 7 Euro Stundenlohn. Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld erhält die Leiharbeiterbelegschaft generell nicht.  Darüber hinaus ist sie noch mit der Unsicherheit ausgestattet, nicht zu wissen, ob sie am nächsten Tag noch diese Arbeit haben, da Porsche von einem auf den anderen Tag den Leiharbeiter „abbestellen“ kann.

All dies ist bei Porsche auch kein Einzelfall. Gab es 2008 im Leipziger Werk noch 50 Mitarbeiter, welche durch Leiharbeitsfirmen entsandt wurden, so ist deren Zahl auf aktuell 200 angestiegen. Damit ist im Leipziger Porschewerk inzwischen jeder vierte Mitarbeiter über eine Zeitarbeitsfirma angestellt. Auch die direkt bei Porsche Leipzig veröffentlichten Stellenangebote zeigen an, wie niedrig der Anteil Festangestellter unter den Neuanzustellenden ist. Von aktuell 27 Stellengeboten entfallen schon allein 18 auf befristete Praktika, weitere 3 auf Ausbildungen.

Das im Medienstakkato der letzten Monate verbreitete Beschäftigungswunder ist wie eine Fata Morgana in der Wüste. Je mehr man sich ihm nähert, umso deutlicher entpuppt es sich als ein in die Luft gezeichnetes Trugbild. Wer danach greift, wird bitter enttäuscht.

Advertisements

Kommentare sind deaktiviert.

%d Bloggern gefällt das: