Krisengewinnler entlarvt!

Der ARD-Presseclub brachte es an den Tag. Dem völlig unabhängigen Publizisten Hugo Müller-Vogg ist es dank seiner unnachgiebigen Recherchen gelungen, die wahren Gewinner der letzten Krise zu identifizieren. Mit der Pulitzer-Preis-verdächtigen Erkenntnis, dass Renter und Hartz-IV-Empfänger die großen Gewinner der Krise sind, da sie auch in diesen schweren Zeiten über, durch die Bundesregierung gesicherte, stabile Einkommen verfügen, gelang es Müller-Vogg, den so lange gesuchten Baustein im großen Welten-Puzzle zu finden. Die logische Schlussfolgerung des diplomierten Volkswirtschaftlers lautet danach auch auf die Heranziehung dieser Krisengewinnler an deren Folgen.

So möchte denn auch der steuerzahlende Krisenverlierer, die nur knapp über dem Existenzminimum entlohnte Supermarktkassiererin ebenso wie der monatlich Tausende Steuer-Euro abdrückende Multimillionär, diesen Gewinnern in die Ohren schreien:

„Rückt sie heraus, unsere Hunderte Milliarden von Euro, welche ihr in euren Yachten an der Côte d´Azur liegen habt. Gebt sie zurück, eure von uns bezahlten Villen und Schlösser. Grabt die Schatzkrüge wieder aus, aus euren üppigen Vorgärten.“

Ja, das sind sie, die bahnbrechenden Erkenntnisse des Hugo Müller-Vogg. Einfältig und inhaltsleer, aber bahnbrechend. Hartz-IV-Empfänger wären unter anderem deshalb so hervorragend durch die Krise gekommen, weil sie kein Geld am Finanzmarkt und keinen Job verloren hätten. Dies könnte möglicherweise darin begründet liegen, weil sie beides schon lange nicht mehr besitzen. Ob sich dessen jedoch auch Müller-Vogg bewusst ist? Doch auch die Rentner entkamen seiner flinken Zunge nicht. Wieder einmal haben „wir“ über „unsere“ Verhältnisse gelebt. Ganz besonders die Rentner, deren Renten von der allgemeinen Lohnentwicklung abgekoppelt wurden und damit diesem Naturgesetz plötzlich nicht mehr folgten.

Stattdessen bejammert das Kanzlerinnen-Zäpfchen Müller-Vogg die schwer gebeutelten oberen 10 Prozent der Steuer-Gesellschaft, welche 54 Prozent der Einkommenssteuer bezahlen. Und sogar darüber hinaus noch aufgrund ihres höheren Konsums den „Löwenanteil der Mehrwertssteuer bezahlen“. Warum fand sich bloß in dieser illustren Runde niemand, der ihn darauf hinwies, dass doch genau an dieser Stelle das diskutierte Gerechtigkeitsproblem liegt? Doch nicht, wie von Müller-Vogg propagiert, bei der angeblich so hohen Belastung der Reichen – ganz im Gegenteil. Wie kann man jemanden anklagen, nichts mehr zu versteuern, der de facto nichts mehr einnimmt oder besitzt? Nichts zu konsumieren, was er sich nicht mehr leisten kann? Übersteigt selbst diese simple Logik die Erkenntnisfähigkeit des promovierten Politikwissenschaftler Müller-Vogg?

Nur kurz entfleuchte Müller-Vogg en passant ein Zipfelchen der Wahrheit, als er bemerkte, dass die Steuern der Reichen „nicht sonderlich viel in Bezug auf ihr Einkommen“ wären. Doch für ihn glücklicherweise ging niemand darauf ein und deshalb konnte er diesen Fauxpas schnell in seinem Wortschwall ertränken. So blieb es denn bei diesem kleinen Stückchen Wahrheit von Hugo Müller-Vogg im Laufe der 40-minütigen Sendung. Möglicherweise doch ein bisschen wenig für den Pulitzer-Preis, welcher als journalistischer Preis nicht unerheblich mit dem Wahrheitsbegriff verbunden ist.

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